Andreas Rosar barfuss in der Klettpassage - ginge es nach den privaten Sicherheitsbeamten, wäre dies verboten! An die Eröffnung der Klettpassage in den 70er Jahren kann Andreas Rosar sich noch gut erinnern, da er dabei war. Die Menschen freuten sich auf dieses Großereignis. Es war aber auch schmerzhaft, da die Straßenbahnen nun nicht mehr ober- sondern unterirdisch fuhren und aus dem Innenstadtbild der City verbannt wurden. "Damals war die Welt noch einigermaßen in Ordnung", wie es immer so schön heisst.
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Guten Tag lieber BarfüsslerInnen und erdverbundene Menschen!
Ein Vorfall der mich besonders nachdenklich macht ereignete sich am Montag 24. April 2006 gegen 18 Uhr in der Stuttgarter Klettpassage (HBF) am Bahnsteig der U7. Tausende Menschen steigen hier täglich ein und aus, es ist der Hauptverkehrsknotenpunkt der Landeshauptstadt Stuttgart.
Was war passiert? Ich wollte eigentlich nur U-Bahn-Fahren. Mehr nicht. Ich habe ja auch einen SSB-Verbundpass und bin kein Schwarzfahrer. Aber ich habe einen "Makel": ich laufe Barfuss! So dachten jedenfalls die "schwarzen Sheriffs". Aggressiv wurde ich angesprochen, wo meine Schuhe wären und ich diese sofort anzuziehen hätte. Höflichkeit? Fehlanzeige! Nachdem ich versucht hatte klar zu machen, dass ich nichts verbrochen habe und auch keine Schuhe dabei habe, wurde mir das Einsteigen in die U-Bahn verboten (Begründung: "das ist zu gefährlich!" und "das ist eine Zumutung für die anderen Fahrgäste!"). So wurde ich dann von einem dieser "netten Herren" im Polizeigriff aus dem SSB-Bereich "entfernt". Ich bestand an einer "Übergabe" meiner Person bei der Polizei - doch diese interessierte (eigentlich zu Recht) das Barfuss-Problem überhaupt nicht. Denn immerhin fahre ich nun schon rund 30 Jahre barfuss Straßenbahn in Stuttgart und wurde deswegen noch niemals belangt.
Heute in unserer Zeit werden bei der Polizei immer mehr Arbeitsplätze eingespart. Hochqualifizierte Sicherheitsbeamte werden durch private Sicherheitsdienste mit sog. "schwarzen Sheriffs" mit geringer Ausbildungsqualifizierung ersetzt. Diese Dienste sprießen aus dem Erdboden und sind eine Wachstumsbranche. Es ist keine große Freude für die Polizeibeamten mit ansehen zu müssen, wie ihre Arbeitsplätze ersetzt werden durch beruflich wenig geschulte Menschen - das betrifft viele Einsatzgebiete, vom Fußballstadion bis hin zu Passagen und Stadtbahnhaltestellen. Man möchte mit den privaten Sicherheitsdiensten Präsenz zeigen, da in den letzten Wochen und Monaten mit Jugendlichen - egal welcher Nationalität - immer wieder Schlägereien vorgefallen sind, ein Mord eingeschlossen. Auf diese Vorfälle reagierte die SSB immer sehr schnell - die privaten Sicherheitsdienste freuten sich über steigende Einsatzzahlen und diese Sicherheitsbediensteten sind inzwischen im SSB-Bereich kaum mehr zu übersehen. Doch wie mir zwei SSB-Fahrer berichteten, wurde der Sicherheitsdienst bereits schon einmal gewechselt, da der vorherige Dienst scheinbar keine guten Mitarbeiter vorweisen konnte, da es vielfach an Freundlichkeit gemangelt haben soll.
Nun steht die Fußball WM 2006 an. Sind wir - bzw. die SSB - dafür gerüstet? Denn wenn solche lapidaren Sachen wie das "Entfernen eines Barfussläufers aus dem SSB-Bereich" vorrangig behandelt werden, sollte darüber nachgedacht werden, zur WM wenigstens die Polizeipräsenz durch entsprechend geschultes Personal zu verstärken um die Sicherheit zu garantieren und die wesentlichen "Probleme" anzugehen.
Kontakte mit der SSB-Kundenbetreuung und Geschäftsführung wurden nun aufgenommen - denn die Nutzungsrechte der SSB (Motto "Sicher zu Fuß") schließen Barfusslaufen ausdrücklich nicht aus. Die SSB will neue Kunden gewinnen - aber auf der anderen Seite nehmen sich "Sicherheits-Rambos" das Recht heraus, lautere Kunden anzupöbeln und benehmen sich damit wie im Kindergarten, negative Austrahlung eingeschlossen. Der Sicherheitsdienst BSG hat sich nicht vorschriftsmäßig verhalten - es handelt sich bei diesem Vorfall um eine schwere Nötigung mit Körperverletzung. Eine Zeugin vor Ort kann diesen Vorgang mit Polizeigriff und schlechtem Benehmen durch die Sheriffs bestätigen. Da durch diese Freiheitseinschränkung auch ein Verdienstausfall entstand, werden nun rechtliche Schritte eingeleitet und die SSB sollte sich für die Zukunft ein neues Sicherheitskonzept überlegen. Denn wenn schon nicht mehr barfuss gelaufen werden darf, sollte man nich auch gleich die FlipFlops verbieten, das Bauchnabelschaulaufen mit Speckrolle der jungen Generation ebenso, Bier- und Knoblauchfahnen aus den Mündern und Hautporen der Mitmenschen gehören auch aus den U-Bahn verbannt. Sowas provoziert ebenfalls. Ach ja: Und bitte auch keine Walkmans/Handies mehr betreiben - gilt zwar schon, aber wer hält sich schon dran? Wann kommt die Kleiderordnung?
© Andreas Rosar, Stuttgart 26. April 2006